Vogt Die Erfindung des Lichttonfilms III h

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h) Apparate für die Aufnahme und Wiedergabe

Abb. 20. Erste Einrichtung zur Aufnahme und Wiedergabe von Tonfilmen -- der "Galgen".
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Abb. 20. Erste Einrichtung zur Aufnahme und Wiedergabe von Tonfilmen -- der "Galgen".

Um die Bildchen des Films als ein lebendes Bild zu sehen, die Sprossen der Tonspur als Ton wahrzunehmen, bedarf es der Aufnahme- und Wiedergabeapparate. Nur der abrollende Streifen vermittelt das lebende Bild, das gesprochene Wort. Stummfilm-Aufnahmeapparate und -Projektoren gab es bereits als wir unsere Arbeit begannen. Wir konnten sie für das Bild, zum Teil geringfügig verändert, verwenden. Die Apparaturen für das Fotografieren und Projizieren des Schalles waren aber noch zu erfinden. Im Rahmen der gestellten Gesamtaufgabe bildeten sie einen sehr wichtigen und, arbeitsmäßig gesehen, den umfangreichsten Teil.
Die Abb. 20 zeigt unseren ersten Tonaufzeichnungs- und Tonwiedergabe-Apparat. Dieser wurde von unseren Labormännern "Galgen" genannt, da er, konstruktionsbedingt, tatsächlich ein galgenähnliches Aussehen hatte. Neben diesem Leitwerk für einen endlosen Versuchsfilm waren aber an dieser ersten Apparatur noch andere Dinge wesentlicher und wichtiger. Der Versuchsfilm üblichen Formats lief sowohl bei der Aufnahme als auch bei der Wiedergabe an einem in seiner Breite einstellbaren Spalt vorbei. Dieser und die zur Spaltveränderung dienende Schraube ist im Bild noch zu sehen. Hinter dem Spalt befand sich ein Hohlraum für die lichtempfindliche Zelle. Auf den vor dem Spalt sichtbaren stabförmigen Streben konnte ein Kondensorsystem angebracht werden, womit das Licht einer Lampe auf den Spalt konzentriert werden konnte. Bei der Aufnahme wurden die Linsen durch den links von der Apparatur befindlichen Kasten ersetzt, in welchem sich die jeweils auszuprobierende Lichtquelle befand. Auf der dem Antriebsmechanismus gegenüberliegenden Seite konnte man den Holzkasten öffnen und die für die Aufnahme erforderlichen Filmkassetten, von denen eine geöffnet vorn liegend zu sehen .ist, einbringen.
Es war dies also ein Universalapparat, der sowohl das Aufnehmen von Tonstreifen als auch das Wiedergeben und Durchleuchten von in sich zusammengeklebten, endlosen Positiv-Filmbändern beliebig lange für Untersuchungszwecke gestattete. Auch die Geschwindigkeit der Tonbänder konnte variiert und kontrolliert werden. Tatsächlich haben wir vermittels dieser Apparatur mit Selenzelle und Kopfhörer die ersten vom Film kommenden Laute wahrgenommen.
Der technische Witz beim Kinematograph, dem stummen Film, besteht bekanntlich, um es noch einmal zu sagen, darin, daß rasch hintereinander (24mal in der Sekunde) ruhende Filmbildchen an die Leinwand projiziert werden, die sich voneinander dadurch unterscheiden, daß Teile des Bildes, z. B. sich bewegende Personen, von Bild zu Bild ihre räumliche Lage eine wenig geändert haben. Im Auge des Zuschauers fließen diese Bilder zu einem kontinuierlichen Vorgang, dem lebenden Bild, zusammen. Ganz anders beim Tonfilm. Hier muß sich der Tonträger absolut gleichmäßig fortbewegen, wenn die Töne naturgetreu aufgenommen und übertragen werden sollen. Es war also notwendig, zusammengehörende Bild- und Ton-Vorgänge an verschiedene Stellen des Positivfilmes aufzubringen. Dies wurde, wie bereits erwähnt, erreicht durch Verschiebung derselben um einige Dezimeter gegeneinander. Eine Filmschleife zwischen der Projektionsstelle des Bildes und des Tones verhinderte das Übergreifen der ruckweise verlaufenden Filmbewegung an der Bildprojektionsstelle auf die, höchste Gleichmäßigkeit erfordernde Fortbewegung der Tonspur (siehe Abb. 4). Aber damit allein war es noch nicht getan. Die Erzielung eines absolut gleichmäßigen Filmlaufes an der Tonprojektionsstelle wurde ein sehr schwieriges Problem. Die kleinsten Unstetigkeiten im zeitlichen Ablauf des Tonstreifens durchsetzten nämlich die Originallaute mit zusätzlichen, sehr unerwünschten Geräuschen, während größere Geschwindigkeitsänderungen, z. B. ein langsameres oder schnelleres Laufen des Films, besonders bei Musik und Gesang, ein Übergehen von einer Tonlage in die andere bewirkten. Eine aufgenommene Sängerin wollte in diesem heiseren Gemiaue einer Katze ihre schöne Stimme keinesfalls wiedererkennen. Diese Filmtransportschwierigkeiten wurden prinzipiell durch einen Vorschlag von Vogt behoben, nämlich den, den Film dort, wo er belichtet oder durchleuchtet wird, fest angepreßt über eine Rolle zu führen, die starr mit einem schweren Schwungrad gekuppelt ist. Dadurch wurde dem leichten, oft flatternden Film die erforderliche absolute Stetigkeit in seiner Fortbewegung gegeben. Das darauf am 23. Mai 1920 erteilte Patent 387 058 erwies sich als eines unserer wichtigsten. Dieser Vorschlag samt einigen weiteren von Massolle angegebenen Verbesserungen des mechanischen Antriebs dieses Gebildes, etwa nach dem DRP 389 317 vom 24. Januar 1922, ermöglichte es uns, von nun an bei Gesang und Musik die oben erwähnten Störungen fernzuhalten.

Abb. 21. Prinzipschema des Filmantriebes (DRP 387 058 und DRP 389 317).
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Abb. 21. Prinzipschema des Filmantriebes (DRP 387 058 und DRP 389 317).

Seiner Wichtigkeit wegen möge dieses Filmtransportprinzip unter Hinweis auf die Abb. 21 näher beschrieben werden. Die kiloschwere Schwungmasse M ist fest verbunden mit der Rolle C, über die der Film läuft. Sie wird angetrieben von einer locker auf ihrer Achse sitzenden Scheibe K vermittels des Riemens R. Beim Inbetriebsetzen liegt die Nase H der Rolle K an dem in der Schwungmasse befindlichen Stift S an, wodurch die Rolle M rasch in Betrieb gesetzt wird. Sobald sie die gewünschte Umlaufgeschwindigkeit erreicht hat, wird ihr die weitere Energie nur über die schwache Feder F zugeführt. Durch diese lose Kopplung werden alle Unregelmäßigkeiten in der Geschwindigkeit des Antriebssystems von der Schwungmasse M und damit vom Film ferngehalten. Das Magnetsystem G, durch kleine in der Schwungmasse M angebrachte Eisenstifte DD erregt, diente in Verbindung mit einem Kopfhörer bei unseren Versuchen zur akustischen Kontrolle der Geschwindigkeitskonstanz.
Die geschilderte Art des Filmantriebs, wenn vielleicht auch etwas modifiziert, hat sich bei allen Tonfilmaufnahme- und -wiedergabeapparaten als wichtig und nicht umgehbar erwiesen und gehört mit zum eisernen Bestand der Tonfilmtechnik.



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(Deutsches Museum - Abhandlungen und Berichte - 32. Jahrgang 1964 - Heft2)
Mit freundlicher Genehmigung Deutsches Museum
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